Der Funkensprüher – auch Kurzgeschichten können romantisch sein

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Nicht jede Liebesgeschichte ist ein dramatischer Roman, prall gefüllt mit Emotion. Manchmal sind es die Short Stories, die uns berühren, denn auch Kurzgeschichten können romantisch sein.

 

Eigentlich hättest du dich bei der ersten Begegnung mit dem Namen „Funkensprüher“ vorstellen sollen, denn dann hätten wir beide von Anfang an Bescheid gewusst.. aber eigentlich wusste ich es sowieso…

 

Heutige Romantik entspricht eher nicht der klassischen Märchenstory, die uns als kleinen Mädchen vorgegaukelt wurde. Ist auch okay, man ist ja flexibel, nicht wahr? Es gibt ja auch noch das Standard-Szenario an der Starbuckstheke mit dem einen Kaffee und den zwei Händen und so… oder das mit der gerissenen Einkaufstüte und dem Helfen, ihr wisst schon. Vier Augen, ein heftiger Funke, gefolgt von peinlichem Flirt-Gestammel… HOLLYWOOD-GELABER!

Ich spreche vom normalen Single-Alltag! Keine Einkaufstaschen, kein Starbucks (ich hol mir für 3,50 lieber einen Döner), sondern das Spielchen Swipe left / Swipe right – „herzlichen Glückwunsch, du hast ein Match“. Spontanität wird durch Fließband-Arbeit ersetzt.

Umso erfreuter bin ich, als eine Push-Nachricht auf meinem Handy aufploppt und mir anzeigt, dass du mich auch geliked hast. Ich hätte da direkt ein paar Fragen..

Nach ein bisschen Hin- und Hertickern erscheinst du mir immer noch angenehm und da ich nicht auf ausgedehntes digitales Gefasel stehe, frage ich mal nach einem unverfänglichen Blind-Date. Ich finde, dass eine freudige Aufregung bei tinder rar ist, umso schöner, dass du diese bei mir auslöst.

Meine Devise für diese Begegnung: schaden kann’s ja nicht und ich habe gerade etwas Zeit. Ja okay, und du hast schöne Augen.

Wir haben uns für später verabredet, wie man das eben an einem lauen Sommersamstag in Berlin so macht – mit Freunden an der Spree chillen, danach am Späti komplett die Zeit vergessen und ein paar Drinks kippen. Angeschwippst trudele ich an der Warschauer Brücke ein, lasse mich voll vom Partysog mitreißen, schön, wie er mich in die Richtung trägt, in der die Musik und das Licht in Überfluss vorhanden ist. Wie sehr man spürt, dass jeder einzelne ganz Großes vorhat heute, rauschende Erwartung auf das, was kommt.

Mir geht es da nicht anders und trotzdem kriecht langsam das Gefühl in mir hoch, ich solle doch umkehren. „Was soll das schon bringen?“ Doch dann bleibe ich einen Moment am Gelände stehen, checke noch einmal unsere Konversation im Chat und deinen genauen Namen. Ok, du hast mich wieder, ich bin dabei und will dich kennenlernen!

Meine Mundwinkel verselbstständigen sich und ziehen sich sogleich nach oben, die warm-drückende Sommerluft auf meinem Gesicht und der dröhnende Electro tun ihr übriges und ich lasse mich wieder in den Partystrom fallen. Und dann stehst du da zwischen den Spätis, lässig und unnahbar. Verdammt, genau nach meinem Geschmack! Und ich weiß, ich bin ab jetzt lost in Paradise.

Der Abend glich einem Wettkampf, allerdings einem sehr aufregenden. Fast hätten deine verdammten grünen Augen dazu geführt, dass ich meinen Abwehrmodus fallen lasse – aber eben nur fast. In einem Augenblick unfassbar nahbar, im nächsten machst du dich rar. Auf dieses Spiel habe ich keinen Bock, aber im nächsten Wimpernschlag arbeite ich schon wieder dafür, deine Gunst und den einen Schritt, den du auf mich zukommst, zu gewinnen – um dann wieder abzuhauen.

Du redest von Gefühlen, der Liebe und dem Sich-Binden. Das alles willst du nicht. „Lieber etwas Lockeres“ waren deine Worte. Ich verstehe und verstehe wirklich. Berlin veranlasst von Zeit zu Zeit dazu, die Freiheit mit vollen Händen greifen zu wollen und sich verzweifelt an ihr zu klammern. Da ist dann noch die Ex, wobei ich die Ex-Akte sofort schließe, das sind zu viele Baustellen. Für zu wenig Zeit. Du öffnest dich – und gehst wieder.

Natürlich erkenne ich deine Masche, aber manchmal lässt Frau sich hier und da gern fallen. Manchmal genießt sie das Spiel, das gespielt wird, aber eben nur, wenn die Spielregeln bekannt sind. Ein zweites Treffen gab es nicht, denn du wärst mir zu viel Drama um Nichts geworden. Zu viel Kopfzerbrechen, zu viel Diskussion, zu viel Verhandeln mit mir selbst.

Doch trotzdem kann so ein Moment etwas romantisches haben, auf eine sehr unkonventionelle Art. Wir standen weder im Starbucks, noch sammelte ich mein Eingekauftes hektisch von der Straße zusammen, ehe du mir zur Hilfe kamst – es war dieses Blind Date-Ding und trotzdem war da dieser Moment mit den vier Augen und dem heftigen Funken..

..weil du eben ein Funkensprüher bist.

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